Das Haus „Alte Backstube“ an der Westerstraße in Norden, direkt gegenüber vom Teemuseum im Kern der historischen Altstadt, soll saniert und zukünftig wieder als Gastronomie mit Biergarten betrieben werden. In den vergangenen Wochen ging der Archäologische Dienst der Ostfriesischen Landschaft der Baugeschichte der „Alten Backstube“ buchstäblich auf den Grund. Zur Westerstraße hin verfügte das Gebäude nämlich über einen Gewölbekeller mit dicken Mauern aus Klosterformatsteinen und einigen Einbauten, die vermuten ließen, dass er vielleicht auf ein spätmittelalterliches Steinhaus zurückgehen könnte. Das Haus selbst war bekanntermaßen mehrfach abgebrannt und umgebaut worden und zeigt schon im Mauerwerk seine wechselhafte Geschichte. Im Keller jedoch kam tatsächlich noch einmal Überraschendes zu Tage: Zwei Kellerpflaster waren auf etwa 1 m Schutt aus Klosterformaten, Haushaltsabfällen und zahlreichen Spolien aus Sandstein, sowie Formsteinen aus Backstein, die mit einem Kirchenbau in Verbindung zu bringen sind, gegründet. Als möglicher „Steinbruch“ kommt da die heute vollständig verschwundene St. Andreaskirche in Frage, die nach ihrer Zerstörung im 16. Jh. noch bis ins 18. Jahrhundert hinein abgetragen wurde.
In etwa 3 m Tiefe unter dem heutigen Straßenniveau wurde unter dem Schutt ein weiteres Pflaster aus Klosterformaten aufgedeckt. Die dazu gehörigen Mauern waren mindestens als Halbkeller in den anstehenden eiszeitlichen Sand gemauert worden und wiesen ihrerseits Spuren eines Umbaus auf, der mit dem heutigen Gebäudegrundriss nicht mehr übereinstimmt. Das ursprüngliche Gebäude war etwa 4,5 mal 11 Meter lang und nur die Mauern des Gewölbekellers zur Westerstraße hin dienen tatsächlich heute noch als Fundament. Unmittelbar unter diesen Mauern kam während der Grabung fast ausschließlich mittelalterliche Keramik – u.a. auch leistenverzierte Ware des 14. Jh. – zum Vorschein, so dass dieser Bau tatsächlich am ehesten dem Spätmittelalter ab 1400 zugewiesen werden kann. Dann muss schon innerhalb der ersten ein bis zwei Jahrhunderte nach dem Aufbau ein Umbau stattgefunden haben, der seinerseits nicht so lange Bestand haben sollte. Derzeit ist davon auszugehen, dass der ältere Gebäudeteil der Backstube im 17. Jahrhundert errichtet worden ist. Für dessen Errichtung ist der alte Keller wohl zu einem großen Teil verfüllt worden und blieb bis heute im Untergrund verborgen.
Die weiteren Sanierungsmaßnahmen werden hoffentlich noch mehr Details des ältesten Gebäudeteils zu Tage fördern und noch offene Fragen zur Bauhistorie klären.
Bildnachweis:
Keller der „Alten Backstube“ bei der Westerstraße, Norden (Foto: Ines Reese, Ostfriesische Landschaft).




