• Nenndorf_Potosi_Nenndorf_Teaser

Pieces of Eight

Eine Silbermünze aus Nenndorf

2410/2:70 - Nenndorf-Finkenburg

‘Come away, Hawkins,’ he would say; ‘come and have a yarn with John. Nobody more welcome than yourself, my son. Sit you down and hear the news. Here’s Cap’n Flint—I calls my parrot Cap’n Flint, after the famous buccaneer—here’s Cap’n Flint predicting success to our v’yage. Wasn’t you, cap’n?’ And the parrot would say, with great rapidity, ‘Pieces of eight! Pieces of eight! Pieces of eight!’ till you wondered that it was not out of breath, or till John threw his handkerchief over the cage. ‘Now, that bird,’ he would say, ‘is, maybe, two hundred years old, Hawkins — they live forever mostly; and if anybody’s seen more wickedness, it must be the devil himself. She’s sailed with England, the great Cap’n England, the pirate. She’s been at Madagascar, and at Malabar, and Surinam, and Providence, and Portobello. She was at the Treasure Island fishing up of the wrecked plate ships. It’s there she learned ‘Pieces of eight,’ and little wonder; three hundred and fifty thousand of ‘em, Hawkins! She was at the boarding of the viceroy of the Indies out of Goa, she was; and to look at her you would think she was a babby. But you smelt powder— didn’t you, cap’n?’

Auszug aus Robert Louis Stevensons „Treasure Island“)

Die grob gearbeitete Silbermünze ist unregelmäßig beschnitten, das Prägebild ist undeutlich (Foto: S. König/Ostfriesische Landschaft).

Bereits 2016 wurde auf einem Acker bei Finkenburg, Ldkr. Wittmund eine Silbermünze gefunden. Es handelt sich um eine 1 Real Silbermünze von 3,17 g Gewicht, sehr wahrscheinlich aus dem bolivianischen Potosi, möglicherweise aber auch aus Lima. Die eine Münzseite zeigt in einem Kreuz innerhalb eines Achtpasses die Wappenbilder von Kastilien-Leon: im ersten und vierten Feld eine Burg, im zweiten und dritten Feld einen Löwen mit Krone. Die Umschrift ist nicht lesbar. Auf der anderen Seite ist das Wappenschild Philipps II. von Spanien zu sehen. Auch hier ist die Umschrift nicht lesbar. Damit handelt es sich um einen Real des in den beiden genannten Münzstätten von 1572 bis 1652 produzierten Schild-Typs. Die in dieser Kombination von Avers und Revers geprägten Münzen wurden 1572 durch Phillip II. eingeführt. Reale des Schild-Typs wurden von Phillip II. (1556-1598), Phillip III. (1598-1621) und Phillip IV. (1621-1665) geprägt. Es gibt zahlreiche Varianten der Münzbilder und der Prägestätten und Prägezeiten, über die im vorliegenden Fall wegen der schlechten Erhaltungsbedingungen keine Aussage möglich ist.

Die Münze fällt auf, weil sie ungewöhnlich unregelmäßig und sehr grob gearbeitet ist; so sind die Ränder ausgefranst, und das Münzbild sitzt verschoben auf einem nicht einmal runden Plättchen. Die Münzen wurden hergestellt, um das in den neuen Kolonien in großen Mengen abgebaute Silber nach Spanien zu exportieren. In den 1540er Jahren wurden die Silbervorkommen in Mexiko entdeckt, Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Minen von Zacatecas und Potosi erschlossen. In Potosi am Cerro Rico hatten bereits die Inkas Silber abgebaut. Die Münzen wurden dabei nicht aus Silberblechschrötlingen geschlagen, sondern mehr schlecht als recht aus zerstückelten Silberbarrenstücken, meist vom Ende des Barrens, mittels Hammerschlagmethode grob gefertigt. Die Prägung wurde dadurch rissig und/oder nur in Teilen erkennbar. Es handelt sich um sogenannte „cob coins“, deren Bezeichnung „cob“ sich vom spanischen „cabo de barra“ (Barrenende) ableitet. Eine sehr treffende Bezeichnung, die gleichzeitig die Herstellung beschreibt. Bei zu viel Gewicht wurde die Münze ohne Rücksicht auf das Münzbild beschnitten. Dem korrekten Gewicht wurde gegenüber der Form also der Vorzug gegeben. Ziel war der handliche Transport von abgemessenen Silbermengen nach Spanien, um es dort einschmelzen und umarbeiten zu können. Reales wurden in den Einheiten ½, 1, 2, 4 und 8 geschlagen. Deshalb war die gängige Bezeichnung für die 8 Reales Münze auch „Piece of Eight“. Eingang in die populäre Literatur hat sie in „Person“ des Papageis namens Captain Flint aus Stevensons Schatzinsel gefunden, der seinem Wunsch nach Silber mit dem gekrächzten „Pieces of Eight, pieces of Eight“ Nachdruck verleiht.

Potosi liegt in einer Höhe von um 4.000 m. Dieser Umstand sowie die bei der Silberverhüttung entstehenden Quecksilberdämpfe führten zu unmenschlichen Arbeitsbedingungen für die indigenen Arbeiter und zum Tode tausender von ihnen. Dennoch war die Stadt infolge ihres Reichtums um 1611 mit 150.000 Einwohnern eine der größten der Welt. 1626 brach der Damm eines Absetzbeckens, was eine Umweltkatastrophe durch das Quecksilber und bis zu 4.000 Tote verursachte.

Die Flut des Potosi-Silbers führte zur sogenannten „Preisrevolution“ bzw. „Silber-Inflation“ und damit zum Ruin des Bergbaus im Harz und in Sachsen. Die letzten cob coins wurden 1773 geprägt, Minenarbeiter, die unter widrigsten und gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen, gibt es in Potosi jedoch immer noch.

(Text: Sonja König)

 

Funde

  • Westerholt-Terheide

    Nicht vollständig

    Bei archäologischen Untersuchungen in einem Gewerbegebiet in Westerholt-Terheide kamen Bestattungen ans Tageslicht. Aus einer von ihnen stammt diese Grabausstattung. Dem Verstorbenen, dessen Gebeine bereits vergangen waren, wurden dieser mit Schrägstrichen verzierte Becher sowie eine angebohrte Rohform einer Streitaxt aus Felsgestein mitgegeben. Die Verzierung auf dem Keramikbecher ist typisch für die sogenannte Einzelgrabkultur. Sie datiert an […]

    Aurich_Wagen_retuschiert_14mal21

    Ausgespielt

    Bei der archäologischen Begleitung der Baumaßnahmen am Bürgermeister-Müller-Platz und dem westlichen Georgswall 2013 konnten die Reste des alten Auricher Hafens dokumentiert werden. Der Hafen wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Teil des Treckschuitenfahrtkanals angelegt. Damit war eine Verbindung zwischen Aurich und Emden geschaffen. Seine Bedeutung verloren Hafen und Kanal mit der Fertigstellung des Ems-Jade-Kanals 1888. […]

    Leerort_Grapen

    Gräfliches Geschirr

    Die im 15. Jahrhundert gegründete Festung Leerort bei Leer entwickelte sich im 16. Jahrhundert zur größten Landesfestung der Grafschaft Ostfriesland. Ihr Zentrum bildete das unter Edzard dem Großen im Jahre 1501 erbaute Schloss, das nach mehrfachen An- und Umbauten 1712 abgebrochen wurde. Im Rahmen des INTERREG IV-Projektes „Grenzland Festungsland“ untersuchte die Ostfriesische Landschaft in den […]

    Norderney_Geweihaxt

    Hirsch im Watt?

    Am Strand von Norderney wurde per Zufall diese Geweihaxt gefunden. Sie ist aus dem Geweih eines Rothirsches gefertigt worden. Wahrscheinlich ist, dass es sich um ein Gerät vom Typ „Rosenaxt“ handelt. Die Geweihrose selbst aber fehlt. Ob sie abgebrochen ist oder absichtlich entfernt wurde, lässt sich allerdings nicht sicher sagen. Im Bereich des Schaftloches lassen […]

  • Ihren_Ensemble

    Eine Grube gibt Rätsel auf

    Bei archäologischen Voruntersuchungen im Baugebiet Spitzwegstraße in Ihren, Westoverledingen wurden 2011 die Reste einer Siedlung der Vorrömischen Eisenzeit freigelegt. Brunnen, Pfosten und Gruben waren auf dem sandigen Geestrücken verteilt, der nach Osten hin von einem Moor überdeckt wurde. Auch einzelne Urnenbestattungen fanden sich dazwischen. Das Areal wurde in der Neuzeit als Ackerland genutzt; Wölbackergräben mit […]

    Reepsholt_Federmesser

    Daneben

    Spuren der eiszeitlichen Jäger- und Sammler in Ostfriesland sind sehr selten. Üblicherweise sind nur Geräte aus Gestein erhalten. Davon sind wenige Objekte zeitlich und von ihrer Form so eindeutig anzusprechen, dass man sie einer urgeschichtlichen Kultur zuweisen kann. Umso erfreulicher ist es, wenn Einzelfunde diese Erkenntnislücke in der ostfriesischen Geschichte schließen. Um so einen Einzelfund […]

    Tannenhausen_Trichterbecher

    Große Steine – Kleine Funde

    Das Großsteingrab Tannenhausen gehört zu den wenigen steinzeitlichen Großsteingräbern in Ostfriesland. Von den bekannten fünf Grabanlagen ist es das einzige, von dem noch obertägig Reste zu sehen sind. Die drei heute zu besichtigenden Steine werden im Volksmund „Butter, Brot und Käse“ genannt. Ausgrabungen im Bereich des Großsteingrabes fanden bereits 1780 vor der Gründung der Kolonie […]

    Manslagt_Muehlespiel

    In der Zwickmühle?

    Bereits vor einigen Jahren wurde im Ortskern von Manslagt (Gemeinde Krummhörn) ein spätmittelalterlicher Backstein gefunden. Die genauen Fundumstände sind nicht überliefert. Das sogenannte Klosterformat des Steins weist auf eine Entstehung im 14. oder 15. Jahrhundert hin. Noch sichtbare Spuren von Kalkmörtel zeigen, dass der Stein ehemals verbaut war. Auf einer der Schmalseiten sind vor dem […]

  • Jemgum_Schelle

    Vom Heimläuten und lustigem Tanz

    Bei Erneuerungsarbeiten auf dem Kirchhof der Gemeinde Jemgum fanden archäologische Untersuchungen statt. Nach einer Presseveröffentlichung über die Tätigkeiten auf dem Friedhof meldete sich ein Jemgumer Bürger, dessen Vater nördlich des Friedhofes eine Stellmacherei betrieben hatte. Aus dessen Nachlass übergab er diverse Funde, die aus dem Aushub von Gräbern stammen sollen, darunter zwei Dachziegel des Mönch-Nonne-Formats, […]

    Reepsholt_Messer

    Ein Messer zu jeder Zeit

    Messer gehören seit jeher zu den wichtigsten Werkzeugen des Menschen. In der Regel zum Schneiden verwendet, hat das Messer im Laufe der Zeit seine ursprüngliche Funktion immer beibehalten, änderte sich jedoch in der Art des Materials, der Form der Klinge und auch des Griffs. Älteste Formen sind einfache Klingen und Abschläge aus Feuerstein, deren rasiermesserscharfe […]

    Neermoor_Dreibeinkrug

    Verborgen im Burggraben

    Maulwürfe und ein Hobbyarchäologe aus Moormerland haben Anfang des Jahres 2014 einen überraschenden Fund ans Tageslicht gebracht: Im Neermoorer Neubaugebiet an der Uko-Beenen-Straße fanden sich Hinweise auf eine spätmittelalterliche Burgstelle. Ausgrabungen der Ostfriesischen Landschaft im Frühsommer 2014 konnten diese Burgstelle in großem Umfang bestätigen. Neben den Fundamenten eines aus Backsteinen errichteten Wehrturmes konnten ein Burggraben, […]

    Stedesdorf_Gefaess

    Funde, die es nicht geben dürfte

    Für den Zeitraum des 4. und 5. Jahrhunderts nach Christus wurde von der archäologischen Forschung bisher eine gewisse Siedlungsleere auf der Ostfriesischen Halbinsel postuliert. Mit dem Ende des Römischen Reiches brachen die Absatzmärkte im Süden weg, zudem drangen neue Menschen aus dem Osten in die germanischen und römischen Gebiete ein. Dies hatte wohl auch für […]

  • Leer_Harderwyker_Gaerten_Kugeltopf

    Vom heimischen Herd

    Der Marktort Leer wird erstmals im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Bisher kennen wir jedoch aus dem mittelalterlichen Leer kaum archäologische Spuren. Im Zuge der Neubebauung eines Gebietes inmitten der Leeraner Altstadt unmittelbar in der Nachbarschaft der Harderwykenburg konnten im Herbst 2014 neue Hinweise auf die mittelalterliche Bebauung dieses Bereichs gewonnen werden. Das Gelände befindet sich […]

    Norderney_Flintdolch

    Treibgut aus der Bronzezeit

    Im Frühjahr fand Roswitha Freerks per Zufall einen Flintdolch auf der Nordseeinsel Norderney. Das Stück würde am Spülsaum in der Nähe der „Weißen Düne“ aufgelesen. Wie die meisten Fundstücke aus dem ostfriesischen Wattenmeer weist der Dolch einen dunkelgrau bis schwarzen Überzug aus Eisensulfat auf, der im chemischen Milieu des Wattenmeeres unter Luftabschluss entsteht und sich […]

    Borkum_RKZ_Scherbe

    Die Anfänge der Inseln

    Die heutigen Schwemmsandinseln vor der niedersächsischen Küste sind kaum mehr als 2000 Jahre alt. Sie sind wohl als hochwasserfreie Sandplaten entstanden, die dann nach und nach mit Dünen bedeckt wurden. Es wird angenommen, dass dies in einem starken Absinken des Meeresspiegels begründet ist (z.B. Behre 2008, 26). Eine Radiocarbondatierung eines alten Salzwiesenhorizontes auf Juist datiert […]

    Juist_Loncross

    Von Glückspfennigen und Königen

    Im Juli 2014 fanden Urlauber am Hauptbadestrand von Juist eine Münze. Es handelt sich um einen Long-Cross Penny, der während der Herrschaft von Heinrich III. (1216-1272) geprägt wurde. Die Umschrift der Vorderseite mit dem Bild des Königs mit Zepter lautet HENRICUS REX III, jene der Rückseite mit dem Kreuz RIC/ARD/ONL/UND, was auf den Münzmeister Richard […]

  • 2015-09 münze Borkum

    Gesunken vor Borkum

    Im Herbst 2014 fand die Sammlerin Brigitte Jantz bei einem Strandspaziergang am westlichen Inselstrand eine große Silbermünze. Es handelt sich um einen Guldiner aus dem Jahr 1547. Er wurde im Bistum Regensburg geprägt und hat noch ein Gewicht von etwa 26 (ursprünglich 27) Gramm und einen Durchmesser von 3,9 cm. Auf der Vorderseite zeigt er […]

    Wolthusen_Flohfalle

    Der Franz, die Flöhe, und wie man sie fängt

    Während der archäologischen Betreuung einer Höchstspannungsleitung wurde im Juni 2015 wenige Kilometer östlich von Emden ein kleines Röhrchen aus Buntmetall geborgen.Das Fundstück ist sieben cm lang und weist vier Reihen von jeweils fünf Bohrungen auf. Das untere Ende ist mit einem Metallplättchen verschlossen, das obere zeigt ein innenliegendes Schraubgewinde. In das Gewinde wurde ein Stift […]

    Holtgast_Perlen

    Überraschung im Novembernebel

    Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Archäologie, dass bei den Ausgrabungen die schönsten Funde kurz vor Wochenende oder – noch besser – am Ende der Arbeiten zu Tage kommen. So war es auch in Holtgast bei Esens. Ein Team des Archäologischen Dienstes der Ostfriesischen Landschaft untersuchte im Jahr 2014 im Vorfeld der Erschließung eines […]

    krug_frei

    Belgischer Bauerntanz

    Im Herbst 2015 wurde bei archäologischen Untersuchungen am Roten Siel in Emden ein sogenannter Bauerntanzkrug gefunden. Der noch 21 cm hohe Krug (ursprünglich ca. 27 cm) besteht aus Steinzeug und wurde 1587 in Raeren (Belgien) gefertigt. Der Krug zeigt einen breiten, zylinderförmigen Bauchfries über einer abgesetzten Standfläche und unterhalb einer abgeknickten, als breite Kehle und […]

  • Borssum_Schlittknochen

    Wintertied is Schöfeltied!

    Im Herbst 2015 wurde für den Neubau eines Hauses im Emder Stadtteil Borssum ein Haus aus den 1920er Jahren abgerissen. Da das Gebäude nicht unterkellert war, kamen noch intakte Wurtenschichten zu Tage. Das Baugrundstück liegt am nördlichen Randbereich der ursprünglich eine eigene Herrlichkeit bildenden Wurtensiedlung Klein-Borssum. Das Gelände fällt nach Norden hin um etwa einen […]

    Borkum_Rechenpfennig_vor

    Rechenpfennig bin ich genannt

    „Rechenpfennig bin ich genannt, zaig oft gros Ehr und Schand“. So lautet die Umschrift auf einem Rechenpfennig des 16. Jahrhunderts aus Österreich. Rechenpfennige, auch Raitpfennige oder Jetons genannt, sind keine Münzen, sondern dienten ausschließlich dem „Rechnen auf der Linie“. Bevor die Araber das arithmetische Rechnen nach Europa brachten, wurde mit Rechenpfennigen auf Rechenbrettern und Rechentüchern […]

    Westerholt_Terheide_Abbildung-2

    Schlicht, aber schön

    Muss Schmuck immer exklusiv und auffällig sein? Diese Frage stellte sich an einem Fundensemble, das bei Ausgrabungen im Sommer 2015 in Terheide bei Westerholt, Landkreis Wittmund, in einer Grube der älteren Vorrömischen Eisenzeit zu Tage kam. Die Grube enthielt zunächst wenig Spektakuläres: Keramik, Holzkohle, eine Flintklinge, das Fragment eines Spinnwirtels und Reibsteinfragmente aus Granit. Doch […]

    Kugeltopf_etc

    Kugelboden-Grapenbeine-Kochtopf

    Bereits vor einigen Jahren wurden im Großen Meer zahlreiche Kugeltöpfe aus der Zeit zwischen 900 n. Chr. und 1300 n. Chr. gefunden. Aufgrund der Überlagerung mit Schlick des Gewässers konnten diese zu großen Teilen vollständig geborgen werden. Kugeltöpfe stellen die universale Gefäßform vom 10. bis zum 13. Jahrhundert dar. Vereinzelt gibt es in dieser Zeit […]

  • Emden_Rotes_Siel_Keramik

    Glas-Glasur-Kochtopf

    Im Herbst 2015 wurde am Roten Siel in Emden in einer Grabenverfüllung umfangreiches Abfallmaterial aus dem Bereich Tafel, Küche und Vorratshaltung gefunden. Aufgrund eines mit Inschrift datierten Bauerntanzkruges aus dem Jahr 1587 kann dieser Abfall in die Zeit um 1600 bzw. in das frühe 17. Jahrhundert datiert werden. Die Kochtöpfe der frühen Neuzeit zeigen andere […]

    Westerholt_Dachziegel

    Schwer beladen in die Ferne

    Von 2001 bis 2016 war die Ostfriesische Landschaft in der Ortschaft Westerholt (Ldkr. Wittmund) aktiv und untersuchte im Neubaugebiet „An der Mühle“ eine große Siedlung der Römischen Kaiserzeit und der frühen Völkerwanderungszeit. Mehr als 7000 Befunde und 100 000 Funde wurden dabei dokumentiert und geborgen. Im Frühjahr 2015 wurde ein Brunnen im Siedlungsbereich archäologisch untersucht, […]

    Westerholt_Perle_Teaser

    Mit fremden Federn geschmückt

    Mitten im Bereich der zwischen 2001 und 2016 kontinuierlich ausgegrabenen kaiserzeitlich bis frühvölkerwanderungszeitlichen Siedlung in Westerholt „An der Mühle“ wurde im Sommer 2013 ein Körpergrab entdeckt, das einige Überraschungen bereit hielt. Die annähernd rechteckige Grube enthüllte beim Ausgraben einige ungewöhnliche Beigaben: Zunächst ließ sich das Fragment einer einzelnen bunt verzierten Glasperle mit umlaufendem rotem Streifen […]

    Utarp_Schuh

    Auf leisen Sohlen

    Nördlich der Ortschaften Westerholt, Schweindorf und Utarp wurde in den letzten Jahren ein großer Windpark ausgebaut. Entlang dieser Linie verläuft der nördliche Rand der zentralen Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest, der höherliegenden, aus glazialen Ablagerungen bestehenden Sandlandschaft. Nach Norden bis zur heutigen Küstenlinie dehnt sich die Nordseemarsch aus. Auch schon in der Vergangenheit befand sich hier eine natürliche […]

  • Gulden_OL_Teaser

    Seeräubergold

    Im Jahre 1978 staunte ein Landwirt in Wrisse nicht schlecht, als er seine Kühe von der Weide in den Stall holte. Die Tiere gingen täglich zweimal diesen Weg, doch an jenem Tag brachten sie etwas Besonderes mit: Vor dem Stall blieb etwas golden Blinkendes zurück, das sich bei genauerem Hinsehen als eine Goldmünze zu erkennen […]

    Loga_Evenburg_Pfeife_Wedel

    Pfeife rauchen inkognito

    Als im Jahre 2015 die Gräben um das Schloss Evenburg in Loga gereinigt wurden, gab es das eine oder andere Fundstück zu begutachten. Auffälligstes Stück war eine Porzellanpfeife mit bunter Bemalung. In Gold und Blau, aber auch mit etwas Rot ist das Wappen derer von Boeselager dargestellt. Es zeigt zwei mit dem Blatt nach oben […]

    Westerholt_ADM_TS_teaser

    „Leute kauft Töpfe – kauft römische Töpfe“

    Bei Ausgrabungen in Westerholt wurden in den Jahren 2001 bis 2016 Teile einer Siedlung aus Römischen Kaiserzeit und der frühen Völkerwanderungszeit ausgegraben, also aus der Zeit der ersten fünf Jahrhunderte nach Christi Geburt. Darunter befanden sich Grundrisse von über 20 Häusern, zugehörigen Speichern, Grubenhäusern und Brunnen. Unter den Fundstücken sind einige bemerkenswerte Objekte, die Kontakte […]

    Fumo_Jan17_Pfeilschaftglaetter

    Bronzezeitliche Bogenschützen

    Im Frühjahr 2016 sollte in der Nähe der Ortschaft Filsum im Landkreis Leer eine etwa 0,4 ha große Fläche für einen Legehennenstall bis auf den anstehenden Sand abgezogen werden. Bereits bei ersten archäologisch begleiteten Suchschnitten wurden zahlreiche Pfostengruben erkannt. Insgesamt wurden 375 archäologische Befunde auf der Baufläche dokumentiert. Nach den oberflächennahen Funden zu urteilen, datieren […]

  • Leer_Steinburgsgang_Fayencescherbe2710_9_33

    Bunte Bilder für Bürger und Bauern

    Archäologie in der Stadt beginnt direkt unterhalb der wieder und wieder überbauten Flächen, und der Versuch, die Geschichte einer städtischen Parzelle zu rekonstruieren, führt zunächst unweigerlich in die jüngere Vergangenheit der letzten drei oder vier Jahrhunderte. Die schon seit dem 17. Jahrhundert fast industriell organisierte keramische Manufakturproduktion schlägt sich in einem gewissen Wiedererkennungswert der verschiedenen […]

    Backstein Ziege_fumo

    Hund – Katze – Maus

    Bei Ausgrabungen in unmittelbarer Nachbarschaft zur mittelalterlichen Kirche in Marienhafe wurden 2016 einzelne Backsteine von einem zum Teil abgebrochenen Gebäude gefunden. Auf diesen sind die Pfotenabdrücke von Schafen oder Ziegen zu sehen. Immer mal wieder werden mittelalterliche Backsteine gefunden, auf denen seltsame Eindrücke zu erkennen sind, die sich bei genauerer Betrachtung oft als Trittspuren von […]

    Funnix_Ensemble_final

    Deine Spuren im Sand

    Im April 2017 erreichte das Archäologische Forschungsinstitut eine kuriose telefonische Anfrage. Eine Zeitzeugin erinnerte sich an eine Untersuchung in ihrer Kindheit in Osterhusen, etwa 400 Meter östlich der Dorfwurt Funnix. Zu dieser Zeit, im November 1955, wurde für den Neubau einer Tankstelle eine Baugrube ausgehoben. Der Berdumer Arbeiter Johann Folkerts entdeckte dort in etwa drei […]

    Aurich_Bier_03

    Bier

    2013 wurden bei der Sanierung der historischen Altstadt Aurichs weite Teile des alten Hafens archäologisch untersucht. An seinem südlichen Abschnitt mündete einst ein Speisegraben ein, der den Hafen mit frischem Wasser versorgte. In diesem Bereich war das ehemalige Hafenbecken mit Ziegelschutt und Flaschen verfüllt. Einige der Flaschen waren noch vollständig intakt. Sie stammen von heute […]

  • Hayungshaus_Fundensemble_final

    Was vom Tage übrig blieb

    Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet… Paul Cézanne (1839 – 1906), französischer Maler* Die Archäologie ist eigentlich eine Wissenschaft, die sich mit Vergangenem auseinandersetzt, mit Dingen, die im Boden verborgen oder Dingen, die sogar schon wieder zu Erde geworden sind. Aber es gibt auch eine Archäologie der Gegenwart, die sich […]

    Westerholt_Sichelhort _Teaser

    Zeit zu ernten

    Zwischen den Ortschaften Westerholt und Tannenhausen wurden 1900/1901 sechs Flintsicheln entdeckt. Der Fund datiert in den Zeitraum zwischen 1300 v. Chr. und 750 v. Chr. und damit in die in die jüngere Bronzezeit. Die Sicheln lagen an einer Stelle zusammen – ein Hortfund. Das bedeutet, dass sie mit einer Absicht niedergelegt worden sind. Nicht unbedingt […]

    Dachziegel_Steinhaus-Bunderhee_Grabung-2017-S-18-Befund-534 (4)

    Frisch eingetroffen!

    Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz untersuchte die Ostfriesische Landschaft im Jahr 2017 am Steinhaus Bunderhee das Umfeld des spätmittelalterlichen Wohnturms. Das Steinhaus Bunderhee stammt in seinen ältesten Teilen, dem Wohnturm, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. An der Westseite ist 1712 ein Anbau realisiert worden, der 1735 zu seiner heutigen Ausdehnung erweitert […]

    Borssum_Steinzeugkrug_teaser

    Zwei Fliegen mit einer Klappe

    Dieser große Krug aus dem 16. Jahrhundert wurde bei Ausgrabungen auf der Burgstelle in Klein Borssum gefunden. Er befand sich ohne seinen Boden in einer oberen, also relativ jungen Kleischicht. Bei Krügen dieser Art handelt es sich zwar um Gebrauchsgeschirr, solche großen Exemplare werden aber eher selten in dieser Vollständigkeit ausgegraben. Wozu aber wurden die […]

  • Canhusen_Pilgerflasche_Teaserbild

    Ich bin dann mal weg

    Spätestens seit diesem Buchtitel von Hape Kerkeling weiß man in Deutschland wieder, was pilgern ist – oder zumindest so ungefähr: Man geht zu Fuß mit Hightech-Trekkingausrüstung nach Santiago de Compostela. Doch das Pilgern hat seine Ursprünge in sehr viel älterer Zeit und war „damals“ ein durchaus das Leben prägendes Ereignis. Bereits in der Antike machten […]

    Spiekeroog_Scherbe_final

    Als das Meer weit weg war

    Die Dünen am Nordweststrand der Insel Spiekeroog offenbarten in den Sommern 2016 und 2017 die Überbleibsel von gleich mehreren Epochen: Im Westteil der Leegte wurde Keramik der Neuzeit, ein Stück des Mittelalters und sogar eines der Römischen Kaiserzeit gefunden. Letzteres ist mit Granitgrus gemagert und weist nur wenige Schäden der Oberfläche, sowie keine Abrollungen durch […]

    Aurich_Gefaesse_teaser

    Eine Flasche Korn für Scherben

    Im September 1969 wurden bei Kanalisationsarbeiten in 3,6 m Tiefe Fragmente mehrerer Gefäße geborgen. Auf seiner Skizze vermerkte der damalige Landschaftsdirektor Dr. H. Ramm: „Am 18.9.1969 fanden die Kanalisationsarbeiter an der nachbezeichneten Stelle die anliegenden Tonscherben. Bei <roter Strich> die nach Westen zurückgeklappte Spundwand. Dafür eine Flasche Korn gegeben.“ Die so ausgelösten Gefäßreste wurden danach […]

    Aurich_Teller_teaser

    Nicht aus China – aber mindestens genauso gut

    Ein Schätzchen aus dem Müll: Im Stadtkern von Aurich wurde in einer Abfallgrube ein zerbrochener Fayenceteller gefunden. Das Zeitzeugnis des frühen 18. Jahrhunderts hat einen Durchmesser von 30 cm und wurde in Harlingen hergestellt. Geschmückt ist der Spiegel des Tellers mit einem äsenden Hirsch inmitten von Bäumen, dessen Umriss in Manganviolett gemalt wurde. Teile des […]

  • Sandhorst_Becher_und_beil_teaser

    Heute so und morgen so

    In Aurich-Sandhorst wurden bereits 1995 westlich der Dornumer Straße und ca. auf Höhe der Straße Osterbusch drei Gräber der Einzelgrabkultur (2800–2450 v. Chr.) ausgegraben. Diese gehört zeitlich in den letzten Abschnitt der Jungsteinzeit. Die Epoche trägt ihren Namen nicht von ungefähr, denn er weist auf den entscheidenden Unterschied zur vorhergehenden Kultur hin. Um Lebensweisen und […]

    Glasfragment_Bunderhee_teaser

    Dem Kind einen Namen geben…

    Als im Jahr 2017 am Steinhaus Bunderhee ein Konvolut an frühneuzeitlichen Dachpfannen freigelegt wurde, fand sich zwischen den Bauschuttresten auch das Fragment eines Glases mit einem auffälligen, sehr plastischen Dekor. Glas kam schon zu römischer Zeit als beliebtes Handelsgut in den Norden und wurde im Rheinland auch vor Ort produziert. Diese Entwicklung wurde jedoch durch […]

    Sandhorst_BZ_Urne_teaser

    Bestattet bei den Ahnen

    Von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit lässt sich eine beständige Veränderung der Bestattungssitten erkennen. Während im älteren Teil der Bronzezeit (1900–1300 v. Chr.) die Körperbestattung in großen einzelnen Hügeln typisch war, wurde bereits in der jüngeren Hälfte der Bronzezeit (1300–750 v. Chr.) unter von Gräben eingefassten kleinen Hügeln als Brandbestattung begraben. Die Kombination dieser […]

    Sandhorst_Kaesesieb_kombiniert_teaser

    Kein Gold, aber dennoch wertvoll

    Holzfunde sind gewissermaßen das Gold der Archäologen, denn für die Archäologie spielt nicht so sehr der reine materielle Wert eine Rolle, vielmehr möchten wir so viel wie möglich über den Gegenstand erfahren: Wann wurde er hergestellt, woher stammt das Material, aus dem er hergestellt wurde, für was wurde er verwendet? Auch wenn moderne Analyseverfahren wie […]

  • Unterkiefer_Baltrum_Spiekeroog_teaser

    Männer aus dem Meer

    Im Sommer 2016 lasen Spaziergänger bei Niedrigwasser einen menschlichen Unterkiefer am Spülsaum der Nordseeinsel Spiekeroog auf. Der Kiefer war nicht vollständig: Erhalten war lediglich der bogenförmige Unterkieferkörper mit den Backenzähnen. Da es sich um einen besonderen Fund zu handeln schien, wurde er umgehend – und vorbildlich in ein feuchtes Tuch verpackt – an das Archäologische […]

    Holtland_Helgo_teaser

    100 Gramm Helgoland

    Um das Jahr 2000 fand ein Landwirt ein kleines Feuersteinbeil auf seinem Acker nicht unweit des Geestortes Holtland. Die kleine, genau 100 Gramm schwere Beilklinge (L: 82 mm, B: 46 mm, D: 18 mm) besitzt zwei Besonderheiten, die sie vom Spektrum der üblichen Oberflächenfunde unterscheiden: Sie weist erstens kaum Beschädigungen auf und besteht zweitens aus […]

    Jemgumkloster_Schluessel_teaser

    Schlüssel ohne Schloss

    Zwischen 2007 und 2009 wurden im Vorfeld des Baus des Gasspeichers Jemgum umfangreiche Prospektionen und Ausgrabungen durchgeführt. Davon betroffen war auch die Wurt Jemgumkloster, deren Randbereiche und Umfeld untersucht wurden. Sie wurde um 100 v. Chr. errichtet und zählt damit zu den ältesten Wurten Deutschlands. Ursprünglich geht sie auf eine Flachsiedlung der älteren Eisenzeit zurück […]

    Emden_Loeffel_Teaser

    Die gekrönte Rose

    In Emden Groß Faldern fand von Oktober bis Dezember 2018 im Vorfeld eines geplanten Neubauvorhabens eine archäologische Untersuchung statt. Dabei wurden Mauern und Pflasterungen von bürgerlichen Wohnhäusern freigelegt. Durch zahlreiche Funde wie Keramikscherben und Tonpfeifen kann der Fundplatz in die Zeit vom 16. bis ins 19. Jahrhundert datiert werden. In einem Befund, der vermutlich zu […]

  • Westerhammrich_Tiegel_Teaser

    Grobe Keramik für feine Bronze

    Der westlich von Leer gelegene Westerhammrich gehört zu den bedeutendsten archäologischen Fundplätzen Ostfrieslands. Die halbinselartige Geestkuppe ist in den 1960er Jahren bedenkenlos zu großen Teilen ausgesandet worden, obwohl deutliche Hinweise auf den Standort eines Megalithgrabes vorlagen. Als in den 1990er Jahren Baumaßnahmen am nördlichen Rand der Kuppe geplant wurden, führte die Ostfriesische Landschaft die notwendigen […]

    Menstede_teaser

    Alles für die Steinzeit!

    2019 übergab die Tochter von Werner Kitz der Ostfriesischen Landschaft ein großes Konvolut steinzeitlicher Funde, die ihr Vater in lebenslanger Arbeit auf den Äckern und Fluren Ostfrieslands aufgesammelt hatte. Es handelte sich dabei um besondere Stücke, die nach dem Tod von Werner Kitz im Jahr 1991 zunächst im Familienbesitz verblieben waren. Werner Kitz war langjähriges […]

    Jemgumkloster_Gniedelstein_M1zu1_300ppi_Teaser1

    Glätten mit Glas

    Zwischen 2007 und 2009 wurden vor dem Bau des Gasspeichers Jemgum umfangreiche Prospektionen und Ausgrabungen durchgeführt. Davon betroffen war auch die Wurt Jemgumkloster, deren Randbereiche und Umfeld untersucht wurden. Die Wurt Jemgumkloster wurde um 100 v. Chr. errichtet und zählt damit zu den ältesten Wurten Deutschlands. Sie geht auf eine Flachsiedlung der älteren Eisenzeit zurück […]

    Nortmoor_TS_teaser

    Terra sigillata made in Ostfriesland

    Zwischen 1996 und 1998 fanden umfangreiche Ausgrabungen im Bereich der Nortmoorer Düne im Jümme-Niederungsgebiet statt. Die Rettungsgrabungen konnten vor allem eine intensive Besiedlung in der Römischen Kaiserzeit vom 1. bis zum 4. Jahrhundert dokumentieren. Auch im frühen und hohen Mittelalter wurde die hoch gelegene Düne von Menschen bewohnt. Gefunden wurden mehrere Wohn-Stall-Häuser, in denen Mensch […]

  • Collinghorst_Finger_teaser

    Ein Fingerzeig der Geschichte?

    1997 wurde im Vorfeld der Erschließung eines Neubaugebiets in Collinghorst im Overledingerland eine Rettungsgrabung durch den Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft durchgeführt. Betroffen war der westliche Bereich eines Sandrückens, der bis zu einer Höhe von + 5 m NN aufragt. 1966 war bei Aussandungsarbeiten im östlichen Teil des Sandrückens eine ältereisenzeitliche Brandbestattung gefunden worden. Obwohl […]

    Norden_Neuer_Weg_01

    Geheimnisvolles Grab

    „Gott, was ist Glück! Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel.“ Theodor Fontane (1819-1898)   Was Theodor Fontane hier als „viel“ Glück beschreibt, wird dem Protagonisten der nachfolgenden Geschichte erst nach dem Tode zuteil. Seine Schlafstelle: Ein hölzerner Sarg. In der Grabgrube befindlich: Ein neuzeitlicher (Suppen-) Napf. Und bei Betrachtung […]

    Jemgumkloster_Holzpokal

    Na denn Prost!

    Zwischen 2007 und 2009 wurden im Vorfeld des Baus des Gasspeichers Jemgum umfangreiche Prospektionen und Ausgrabungen durchgeführt. Davon betroffen war auch die Wurt Jemgumkloster, deren Randbereiche und Umfeld untersucht wurden. Diese wurde um 100 v. Chr. errichtet und zählt zu den ältesten Wurten Deutschlands. Sie geht auf eine Flachsiedlung der älteren Eisenzeit zurück und war […]

    Emden_Werraware

    Ein Tellerrest aus Werraware

    Im Emder Stadtkern wurden im Zuge einer Ausgrabung in Groß Faldern Abfälle der frühen Neuzeit aus einem ehemaligen Bürgerhaus geborgen, unter vielen anderen Funden so auch ein auffälliges Stück Keramik. Das Bruchstück gehört zu einem Teller von 28 cm Durchmesser, der sich durch ein Dekor aus einer Kombination von Bemalung (Malhorndekor), Glasur und Ritzdekor (Sgraffitotechnik) […]

  • Aurich_Waldenburg

    Ein Sachse in Ostfriesland

    In den Jahren 2018 und 2019 wurde im Bereich nördlich des Auricher Schlosses, auf dem Gelände der alten Post im Vorfeld von Baumaßnahmen eine Ausgrabung durchgeführt. Aus schriftlichen Quellen war bekannt, dass vor dem 1891 errichteten Gebäude der Post auf dem Areal das Anwesen der Familie Stürenburg stand und noch vorher die um 1380 erbaute […]

    Borssum_Kugelopf_Teaser

    Mit Pötten fängt man Mäuse?

    Im Oktober 2017 wurde bei Notbergungen an der Burg Klein-Borssum ein großer rheinischer Steinzeugkrug gefunden, der fast vollständig im Klei eingegraben war. Als Handelsgut und Weinbehältnis schien er ohnehin schon mehreren Zwecken zu dienen, aber ein ähnlicher, wenn auch wesentlich älterer Fund aus Groß-Borssum eröffnet die Frage, ob dieser Krug noch einmal auf eine andere […]

    Emden_Doofpott_Teaser

    Der zerbrochene Krug…

    Die Ausgrabung 2018 auf dem Grundstück eines Bürgerhauses in Groß Faldern erbrachte sehr viel Fundmaterial, aber auch eine sehr komplexe Stratigraphie von Bodenpflasterungen verschiedener Zeitphasen und Mauerwerk. Im südwestlichen Teil des Grundstücks, zur Wand des Nachbarhauses hin, konnte zudem der Rest eines später unter jüngeren Pflastern verborgenen Kamins freigelegt werden. Neben dem Kamin fand sich […]

    Sattelknauf_teaser

    Gesattelt und gespornt

    Oft sind es die kleinen Dinge, die dem Archäologen in die Hände fallen, die nicht sofort identifiziert werden können. Metallobjekte aus Kupferlegierungen erhalten sich recht gut im Boden, so auch das Fundstück Nr. 25.5 aus dem Jahr 2011 von der Ausgrabung im Bereich des ehemaligen Auricher Hafenbeckens. Im Verfüllungsmaterial des Hafenbeckens wurde ein ca. 7 […]

  • Ihlow_Fliesen_02

    Drache – Blume – Taube

    Das 1218/1228 gegründete Kloster Ihlow war Zeit seines Bestehens bis zur Reformation nicht nur eines der bedeutendsten ostfriesischen Klöster, es ist auch – neben Kloster Barthe bei Hesel – das am gründlichsten erforschte. Zwischen 1973 und 2008 haben umfangreiche Ausgrabungen viele archäologische Erkenntnisse erbracht und zahlreiche schöne Funde zutage gefördert. So konnten die Lage und […]

    2609_1_102_Fliese_vorn

    Ein Herr aus Amsterdam in Emden….

    Die Fliesenwelten aus den Niederlanden, die wie ein häusliches Comicbuch mit vielfältigen Bildergeschichten ehemals ganze Räume schmückten und auch heute noch faszinieren und viele Liebhaber und Sammler finden, sind nach wie vor nicht gänzlich erforscht. Ein ganzer Forschungszweig der Archäologie und Kunstgeschichte beschäftigt sich mit diesem Produkt aus der Hochzeit niederländischer Handelsbeziehungen. Es ist meist […]

    Abens_Teaser_voll

    Klein und niedlich…

    Objekte, die in einem besonders kleinen Format hergestellt worden sind, führen beim Auffinden häufig zu entzückten Ausrufen beim Finder. So auch im Falle unseres hier vorgestellten Fundes, einem besonders kleinen Gefäß. Der Ort Abens war im Frühjahr 2021 Schauplatz einer Notgrabung in der Baugrube für einen Bungalow. Dort waren auf einer relativ kleinen Fläche sehr […]

    Abb B Koenig Brinkum

    Von der Tafel in den Brunnen

    Ostfriesland ist bekannt für seinen Wasserreichtum, das bezieht sich nicht nur auf das Meer, sondern auch auf den Regen und die hohen Grundwasserstände. Ostfriesland hat archäologisch gesehen damit einen enormen Vorteil gegenüber vielen anderen Landesteilen Niedersachsens, denn überflutete Wiesen und Grundwasser in der kleinsten Grube sind für den Archäologen ein Glücksfall. Der hohe Grundwasserstand bewirkt, […]

  • Fumo06_21_Abb5

    Die inneren Werte….

    Seit im Zweiten Weltkrieg große Teile der Emder Altstadt zerstört worden sind, hat auch der Städtebau der Nachkriegszeit nicht gerade dazu beigetragen, dass ein Gang durch das Zentrum der Emder Altstadt zwischen der Großen Kirche und dem Ratsdelft eine reine Augenweide ist. So auch an der Straße „Am Burggraben“, wo ein allseits bekannter Discounter mit […]

    FuMo05_21_teaser

    Sagenhafte Gewebe

    Im Frühjahr 2019 fand ein Grundstücksbesitzer aus Hinte auf seinem Acker nahe der Gemarkungsgrenze zu Westerhusen ein vollständiges Webgewicht. Leider handelt sich vermutlich um einen verschleppten Fund, da ein Großteil der Erde auf dem Acker nach Angaben des Finders angefahren worden war; die Herkunft ist unbekannt. Aber dennoch steht das Webgewicht für einen wichtigen Teil […]

    Fensterglas_Faldern_teaser

    Ein schöner Fuß….

    Die Ausgrabung einer kleinen Parzelle in Faldern hat eine Vielzahl interessanter Funde ans Tageslicht gebracht. Auf dem Grundstück haben sich die unteren Lagen der ursprünglichen Bebauung in Form von Pflastern und Keller- und Fundamentmauern erhalten und bezeugen eine rege Bautätigkeit in Emdens Blütezeit. Das reichhaltige Fundmaterial gibt einen sehr guten Einblick in die Ausstattung eines […]

    Reepsholt_Flint_Teaser

    Das Land der verschwundenen Grabhügel

    Streng genommen kein Titel, den Ostfriesland allein für sich verbuchen könnte. Man vermutet, dass – wie einst auch die eindrucksvollen Großsteingräber – tausende von Grabhügeln aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten das urgeschichtliche Landschaftsbild Norddeutschlands prägten. Mittlerweile sind fast alle verschwunden. Die einzigen, die sich halten konnten, waren solche, die bis heute im Wald liegen und solche, […]